laurentiuspilgern

Pilgern zwischen den Laurentiuskirchen Usingen und der Laurentiuskirche Arnoldshain

Sympathie

Tümpel_Bombeneinschläge alter Flughafen_Foto_Wolfgang von GehlenBibel, Jesaja 9, Verse 4 und 5: „Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn daher geht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.“

Ich sehe lauter kleine Tümpel. Wasserlöcher. Es sind Krater von Bombenabwürfen. Mit diesen Bombenabwürfen zerstörten die Alliierten am Ende des 2. Weltkrieges den getarnten Militärflughafen bei Merzhausen in der Nähe. Versteckt, getarnt warteten hier Flugzeuge auf ihren Einsatz. Zwangsarbeiter hatten den Lande- und Startbahn verlängern müssen. Alles geheim. Hier ist Leid geschehen. Ich betrachte diese kleinen Tümpel in diesem so friedlich scheinenden Wald. Der Krieg schien mir so weit weg. Kriegsspuren im Usinger Land? Mitten im Wald?

Nach einem ordentlichen Regen gibt es viele solche kleinen Teiche hier am Wegesrand. Das sind alles Bombenkrater. Hier war mal ein Militärflughafen in den 30er und 40er Jahren. Was, bei uns im Wald? Ich sah keine Landebahnen, keinen Tower. Neugierig geworden streife ich durch die Umgebung. Und tatsächlich. Mehrere breite Betonplatten am Waldrand. Da hatte man Militärflugzeuge in der Deckung der Bäume getarnt und versteckt. Eine richtige Landebahn aus Beton gab es nie, aber eine sehr breite Wiese am Waldrand. Ein als Bauernhof getarntes Flughafen-Verwaltungsgebäude im Fachwerkstil – und eine Holzbaracke. Die SS brachte dort Häftlinge aus Luxemburg hin, die das ganze Gelände unter Hochdruck noch kriegstauglicher herrichten mussten. Die Zwangsarbeiter. Sie verlängerten die Landebahn mit Hacken und Schaufeln. Eine ganze Weile suche ich nach einem Hinweisschild, bis ich es schließlich fünf Meter von der Straße entfernt finde. Ungeplant und ungewollt bin ich auf diese Kriegsgeschichte gestoßen. Von wegen lauter kleine Tümpel im Wald! Weihnachten 1944 wurde dieser getarnte Flughafen zerbombt. Daher die vielen Krater, heute kaum mehr als solche zu erkennen. Manchmal kommt der Krieg einem näher ins Bewusstsein. Oft scheinen Kämpfe und Gräueltaten ganz weit weg: Ukraine, Irak, Syrien, Nigeria. Man kann im Fernsehen und im Radio umschalten. Doch hier, ganz in der Nähe, haben im Krieg Menschen bei uns gelitten, wurden geschunden. Gegen ihren Willen haben sie als Sklaven geschuftet. Einige Namen der Zwangsarbeiter sind festgehalten: Josef König, Artur Paulus und Marcel Engel. Die haben überlebt. Andere nicht. Manchmal kommt der Krieg einem näher als man denkt. Aber auch das Einsetzen für den Frieden. Für Menschenrechte. Und gegen jede Form von Krieg.

 Impulsfragen:
Schalte ich bei den Nachrichten um, wenns Bilder von Krieg und Gewalt gibt?

Schaue ich neugierig hin, so wie Menschen auf der Autobahn sich nach den zertrümmerten Autos umsehen?

Ich bin doch kein Gaffer – oder doch?

Wie ist es mit meinem Mitleid?

Bin ich eigentlich ein sympathischer – mit-leidender Mensch? Mitfühlen – und dann etwas Gutes tun, das wäre was!

Wie?

(WI)

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