laurentiuspilgern

Pilgern zwischen den Laurentiuskirchen Usingen und der Laurentiuskirche Arnoldshain

Sammeln und Entrümpeln

Mülldeponie alt zersplittert kaputt Brandholz_Foto Wolfgang von GehlenBibel Prediger 3, Vers 6: „Suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit.“

Ich mache da so einen Wettkampf mit mir selbst. Mein eigener, ganz persönlicher Wettkampf mit mir selbst heißt „loslassen“.

Er äußert sich in vehementem Wegwerfen, abgeben, entsorgen, entmüllen, verschenken. Loslassen eben. Seit einiger Zeit habe ich in jedem Zimmer in meiner Wohnung nur noch ein Bild. Auch im Büro. Ich will mich einfach bewusst reduzieren. Nicht nur körperlich abnehmen, das wollen viele, sondern auch eine freiwillige Reduktion von Vielem, was mich umgibt.

Mein eigener Wettkampf macht mir richtig Spaß. Ich gucke mit den Augen jedes Regal, jede Schublade, jeden Stapel durch. Und dann: weg damit. Kein Nippes wird geduldet, eine weiße Wand mit höchstens einem Bild im Zimmer lässt mich lächeln. Keine Stapel, keine Kisten. Auch meinen Keller hab ich abgegeben. Da hortete ich nur den letzten Krempel. Es gibt „Messies“, Leute, die gar nichts weg tun können, die irgendwann in ihren immer höher wachsenden Stapeln untergehen. Die gar nicht mehr die Kraft finden, irgendwo in ihren Stapeln und später Müllbergen mit dem Aufräumen anzufangen. Ich jedenfalls habe im Moment ein großes Bedürfnis nach Reduktion.

Den Anstoß dazu gab mir ein Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch, wo es in einem Vers heißt:

„Komm in unser festes Haus, der du nackt und ungeborgen. Mach ein leichtes Zelt daraus, das uns deckt kaum bis zum Morgen; denn wer sicher wohnt, vergisst, dass er auf dem Weg noch ist.“ Der Liedvers von Hans von Lehndorff aus dem Jahr 1968 hat mich so richtig angesteckt. Besonders die Worte „denn wer sicher wohnt, vergisst, dass er auf dem Weg noch ist.“

Für mich war es irgendwann der Stein des Anstoßes. Was habe ich nicht alles angehäuft? Wie viel Zeit habe ich schon mit Suchen in Stapeln und Kisten verbracht? Und: wenn ich mal im Urlaub bin, mit wie wenig komme ich da aus!

Schon seit längerem war ich einfach unzufrieden mit meinem Gesammelten. Wohlmeinende Menschen taten ein Übriges: Krempel, Zeug zum Abstauben sammelte sich Stapel um Stapel. Manches konnte ich auch mit fröhlichem Herzen weg geben. Meine Bücher vom Studium natürlich an einen Studenten, alte Kleidung einfach an die Kleiderkammer der Stadt. Ich verschenkte, mistete aus und wurde frei.

An was habe ich mein Herz gehängt? Sind mir wirklich Sachen so wichtig wie Menschen? Als ich Student war, wollte ich nie mehr besitzen, wie man in einem Rucksack mitnehmen kann. Gut, das ist vorbei. Aber: je mehr ich versuche loszulassen, desto freier fühle ich mich auf meinem Lebensweg. Ich persönlich kann mich auch beim Denken besser konzentrieren, wenn meine Augen beim Nachdenken oder Zuhören bei einem wichtigen Gespräch nicht von lauter Krempel abgelenkt werden. Ich möchte ja auch bei der Begegnung mit anderen Menschen nicht nur Fassade bemerken, sondern in die Tiefe eines Menschen in einem Gespräch mitgenommen werden. Mit wenig auskommen, das empfinde ich als eine schöne Aufgabe. Ich weiß nicht genau, wie lange ich mein Wunsch nach Loslassen gehen wird, aber jetzt grad bin ich genau in der richtigen Stimmung dazu.

Abgeben, weiter schenken kann auch Freude machen. Einfach so etwas von meinem Hab und Gut schenken, wenn es jemand gut findet. Ich weiß nicht, ob ich meinen kleinen Wettkampf jemals wirklich gewinne, aber das Loslassen und das schöne Gefühl der Freiheit danach, das allein ist diesen Wettkampf wert!

Impulsfragen: Was habe ich nicht alles angehäuft? Wie viel Zeit habe ich schon mit Suchen in Stapeln und Kisten verbracht? An was habe ich mein Herz gehängt? Sind mir wirklich Sachen so wichtig wie Menschen?

(Wi)