laurentiuspilgern

Pilgern zwischen den Laurentiuskirchen Usingen und der Laurentiuskirche Arnoldshain

Unterwegs Sein

unterwegs sein_Foto_Christoph WildfangBibel: Amos, 3 Vers 3 „Können etwa zwei miteinander wandern, sie seien denn einig untereinander?“

Das Hemd babbt am Körper. Ich nehme den kleinen Rucksack mal andersrum, vor die Brust geschnallt. Mit einem Freund wandere ich durch den Wald. Längere Strecken gehen wir schweigend hintereinander. Ein bisschen viel bergauf geht’s für meinen Geschmack. Ich überlege, ob ich was trinken soll, weiß aber nicht, wo ich meine Flasche wieder auffüllen kann. Ob man an den kleinen Quellen, die wir gesehen haben, das Wasser trinken kann? Ich weiß nicht so recht. Der Weg ist eigentlich nicht so lang. Knapp 22 km. Einige Stunden sind dafür geplant. Nun gut, wenn man nur läuft. Aber wir pilgern eben. Zu zweit. An den Kirchen, die wir passieren, machen wir halt. Sind alle offen oder zu öffnen, wenn man sich den Schlüssel kurz ausleiht. Ab und zu gibt’s mal eine Bank. Ich bin dankbar dafür und lege mich einigermaßen erschöpft auf die Sitzbank. Mein Mitwanderer liest vor, was man hier aufgeschrieben hat. Was Historisches. Ich schaue einem Eichhörnchen zu. Dann schweigen wir wieder. Manchmal teilen wir beim Pilgern dann Geschichten.

Wir wandern weiter.

Ab und zu teilen wir weitere Geschichten. Unsere eigenen Lebensgeschichten. Wir trotten langsam hintereinander oder nebeneinander her, wenn der Weg es zulässt und teilen Leben. Gelungene Momente, die ich gerne erzähle und auch dunkle Lebensabschnitte. Geschichten teilen tut gut. Wir schenken uns gegenseitig unsere Lebensgeschichten, kleine, vielleicht unbedeutende. Aber in diesem Moment kehren sie ins Herz zurück. Dann wandern wir einfach schweigend weiter. Und die Geschichten fließen dann wieder hin und her. Das Hemd babbt am Körper. Ob ich jetzt was trinken sollte? Oder lieber aufsparen?

Und dann an der Quelle auffrischen?

 

Impulsfragen:

Wo will ich hin mit meinem Leben?

Habe ich eigentlich ein Ziel – oder hatte ich nur eines?

Lebe ich einfach nur so vor mich hin?

Wohin will ich nach dieser Wanderung aufbrechen?

Bin ich dazu mutig genug?

(Wi)